Die Andinetschule in Gurage

Die ursprüngliche Idee war es, die bestehenden dunklen, staubigen Lehmhütten der Schule mit 9 Schulzimmern neu aufzubauen.

Eine, von uns in Auftrag gegebene, Studie der Schulbehörde in Addis Abeba zeigte jedoch einen weitaus höheren Bedarf an Schulräumen. Dies bewog uns, eine Schule für ca. 1000 Kinder zu erstellen. Der Neubau sollte einfach aber dauerhaft mit stabilem Fundament und Ziegelsteinmauern sein.

Helle Schulräume mit genügend Fenstern und weiss gestrichenen Wänden sollten den Kindern eine optimale Umgebung schaffen, um möglichst motiviert zur Schule zu gehen und zu lernen.

Es waren 21 Schulzimmer vorgesehen. 50 Kinder sollten maximal pro Schulzimmer und Klasse am Unterricht teilnehmen. Alle Kinder, die zur Schule gehen wollen, müssen aufgenommen werden. Die Schule ist für die Eltern der Kinder kostenlos.

Mit der Schulbehörde wurde eine Vereinbarung getroffen, dass wir die Infrastruktur erbauen und zur Verfügung stellen. Die Lehrkräfte und das Schulmaterial soll von der Behörde finanziert werden. Für den Bau der Schule wurde ein Areal von 2000 m/2 zur Verfügung gestellt. Nebst den 21 Schulzimmern waren: Aula, Bibliothek, eine kleine Klinik, Wasserversorgung, Ausbildungsstätten für Holz- und Metallbearbeitung, sowie sanitäre Anlagen geplant (siehe Layoutplan). Die Schule sollte möglichst mit lokalen Baumaterialien, Eukalyptusholz und Natursteinen, oder mit in Äthiopien erzeugten Baustoffen erstellt werden. Die Bauarbeit sollte der einheimischen Bevölkerung Erwerbstätigkeit und Einkommen ermöglichen. Nur für Facharbeiten, Architekt und Bauführung oder Sanitärarbeiten werden Spezialisten aus Addis Abeba beigezogen.

Stand des Projektes im Frühjahr 2002
Die 21 Schulzimmer sind fertiggestellt und in Betrieb.

Dazu wurde eine Wasserversorgung erstellt. Das ermöglicht den Kindern täglich sauberes Wasser zu trinken – soviel sie wollen. Im weiteren legen wir Wert darauf, dass die Kinder ihre Augen täglich mit sauberem keimfreien Wasser waschen. Dies zur Verhinderung der weit verbreiteten Augenkrankheiten. Im Jahre 1995 als unsere „verrückte“ Idee geboren wurde, besuchten 470 Kinder die Schule. Heute sind es 1964 Kinder, dazu 60 Kinder im fünf Kilometer entfernten Kindergarten. Eine wahre Aufbruchstimmung ist in der Bevölkerung ausgebrochen. Zum ersten Mal bewegt sich in dieser Region etwas zum Vorteil der Menschen. Schön ist, dass der Mädchenanteil in der Schule von 7% auf 40% gesteigert werden konnte. Hier hat sich die Überzeugungskraft meiner Frau Elfinesh ausgewirkt.

Anfänglich waren 50 Kinder pro Schulzimmer geplant. Heute werden der Platznot gehorchend bis zu 90 Kinder pro Klasse und Zimmer unterrichtet. Die erste und zweite Klasse werden im Zweischichtenbetrieb – morgens und nachmittags – abgehalten.

Der Schulbetrieb, der früher bis zur sechsten Klasse geführt wurde, konnte mit dem siebten und dem achten Schuljahr erweitert werden. So können die Kinder von zu Hause aus die Schule besuchen und müssen nicht, wie vorher, die ganze Woche in einem Provinzstädtchen, fern von zu Hause verbringen. Mittelfristig ist geplant, die neunte und zehnte Klasse einzuführen. Für all dies übernimmt die Schulbehörde die Kosten für 14 Lehrkräfte. Sechs weitere Lehrer werden von den Bauerngenossenschaften direkt bezahlt.

Die Ausstattung mit Schulmaterial durch die Behörden ist äusserst dürftig, so teilen sich in den ersten zwei Klassen 30 Kinder ein Schulbuch. Um diesen Umstand zu lindern kaufen wir jedes Jahr für ca. 1000 Franken Schulbücher.

Der Schulweg dauert für einige Kinder über eine Stunde. Deshalb planen wir, mehrere dezentrale Kindergärten zu erstellen. Den Ersten konnten wir im Januar 2002 einweihen.

Allen Erfolgen stehen immer noch teilweise widrige Umstände gegenüber. Darunter leidet natürlich die Qualität der Schulausbildung. Doch es geht vorerst darum, den Kindern einen geregelten Schulrhythmus zu vermitteln. Helfen Sie uns, ihnen dabei zu helfen.